Reformationsfest 2015 in Grimma
Geschichte

Wenn die Sonne durch das Blätterdach der alten Bäume bricht, ist dies schon ein magischer Ort: die Klosterruine in Nimbschen. Einst stand hier das kleine Kloster Marienthron, seit der Weihe der dortigen Klosterkirche 1291 von Zisterzienserinnen bewohnt. Die Nonnen verbrachten ihren streng geregelten Alltag zwischen Gebet und Arbeit, ein Jahr verlief wie das andere. Weltabgeschiedenheit, möchte man meinen – doch so ganz „aus der Welt“ waren die Nonnen dann doch nicht, zumindest änderte sich ihr Leben Anfang des 16. Jahrhunderts dramatisch. Ein Augustinermönch im fernen Wittenberg begann mit seinen Gedanken die Grundfesten der römischen Weltkirche aus den Angeln zu heben. Der Name des Mönches war Martin Luther, seines Zeichens Doktor der Theologie an der Wittenberger Universität. Und seine revolutionären Ideen, die ursprünglich eigentlich ja nur eine Neubesinnung auf die Grundlagen des Glaubens bewirken sollten, machten vor den Klostermauern in Nimbschen nicht halt. In der Osternacht 1523 werden neun Nonnen das Kloster verlassen. Die Flucht wird ein ungeheures Medienecho hervorrufen: die Befürworter Luthers sehen in dieser Flucht einen enormen Erfolg ihrer hauptsächlich durch Flugschriften gestarteten Kampagne gegen die katholische Amtskirche, die Gegner verteufeln die geflohenen Nonnen in Grund und Boden. Martin Luther wird sich der Sache höchstpersönlich annehmen und ist bemüht, allen Nonnen eine neue Lebensperspektive zu bieten – in der Hauptsache durch Verheiratung. Die „übrig gebliebene“ Nonne heiratet Luther schließlich selbst, doch nicht aus tiefer Zuneigung zu der Frau. Das wird sich schnell ändern, denn die „Lutherin“ wird das wichtigste Rückgrat des Reformators werden, auf die er sich in allen Lebenslagen verlassen kann. Der Name dieser Frau ist heute fast so berühmt wie Luthers Name: Katharina von Bora.
Grimma ist mit diesem Ereignis untrennbar mit der Reformation verbunden. Aber auch Martin Luther und sein Weggefährte Philipp Melanchthon besuchten zu verschiedenen Anlässen die kleine Muldenstadt – nur wenige Kilometer von der heutigen Klosterruine Nimbschen entfernt –, die sich seit dem frühen Mittelalter zu einem der schönsten Stadtkerne der Region entwickelt hatte. Eine weitere Klosteranlage mitten in der Stadt gehörte Luthers Orden an und wurde von ihm bereits vor „seiner Reformation“ besucht. 1529 wurde dann ganz Grimma „gar zeitig durch die heilsame Lehre der Reformation erleuchtet“.
„Grimma und die Reformation“ ist eine spannende Geschichte einer kleinen, aber selbstbewussten Stadt an der Mulde, deren über 800 jährige Geschichte reich an Entdeckungen ist. Mit dem „Festival der Reformation“ kann also eine spannende Spurensuche beginnen…

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